Information zu Palmöl

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Wie wirkt Palmöl auf Mensch, Tier & Umwelt?

zuletzt aktualisiert am 11. Februar 2017065I

Die anfänglich rein für Ernährungszwecke genutzten Rohstoffe Palmöl und Palmkernöl finden sich mittlerweile in einer Vielzahl von Produkten des alltäglichen Gebrauchs. Ob in Lebensmitteln, Treibstoffen, Reinigungs-, Wasch- und Körperpflegemitteln, Pharmazeutika oder Futtermitteln – ihre Verwendung erstreckt sich auf die unterschiedlichsten Branchen. Doch die Herstellung ist mit vielen negativen Auswirkungen verbunden. Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, wer den eigentlichen Preis für das billige Pflanzenöl zahlen muß und warum es sinnvoll ist, beim Einkauf auf palmölfreie Erzeugnisse zu achten.

Herkunft und Verwendung

Ursprünglich als Nutzpflanze im westafrikanischen Regenwald beheimatet, wird die Ölpalme mittlerweile hauptsächlich in Indonesien und Malaysia, zunehmend auch in Südamerika und Afrika, angebaut. Die Fruchtstände bestehen aus ölhaltigem Fruchtfleisch sowie einem ölhaltigen Kern und müssen aufgrund ihrer hohen Verderblichkeit direkt nach der Ernte weiterverarbeitet werden. Besonders der günstige Preis, der unter anderem durch die hohe Ertragskraft ermöglicht wird, und seine vielseitige Verwendbarkeit machen das Pflanzenöl so attraktiv für die Industrie. In den Supermarktregalen steht kaum ein Fertigprodukt, das ohne die Zugabe von Palmöl (oft nur als „Pflanzenöl“ deklariert) auskommt: Laut einer aktuellen Erhebung der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist in beinahe jedem zweiten Supermarktprodukt Palmöl enthalten. Besonders in Back- und Süßwaren, Tütensuppen oder Margarine wird das Öl wegen seines Schmelzverhaltens und der guten Streicheigenschaften in größeren Mengen verarbeitet. Palmkernöl wird zudem aufgrund seiner cremigen Konsistenz sehr häufig für Pflegeprodukte wie Shampoos, Körperlotionen, Seife oder Waschmittel verwendet.

2014 wurden weltweit rund 60 Millionen Tonnen Palmöl auf einer Fläche von etwa 17 Millionen Hektar produziert. Auch im weltweiten Verbrauch liegt es an der Spitze; damit ist es noch vor Sojaöl das beliebteste Pflanzenöl. Mit jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen und einem Pro-Kopf-Verbrauch von 18,5 kg zählt Deutschland zu den größten Palmöl-Verbrauchern Europas. Der weltweite Durchschnitt lag 2013 bei 8,9 kg. Einer Studie des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP) zufolge wurde in Deutschland im Jahr 2013 im Energiebereich mit 755.000 Tonnen der größte Anteil Palmöl verbraucht. Als Rohstoff für hydrierte Pflanzenöle und Biodiesel findet es sich hauptsächlich in Autotanks, denn durch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie ist es in der EU vorgeschrieben, fossilem Diesel Treibstoff aus pflanzlichen Rohstoffen beizumischen (aktuell ca. 4,7 %).

Anbau

Für die Pflanzung der bis zu 30 Meter hohen Ölpalmen werden in den Anbaugebieten riesige Flächen Regenwald zerstört – größtenteils durch illegale Brandrodung. Einer Analyse von Vegetationskarten des indonesischen Forstministeriums durch Greenpeace zufolge wurden in dem Inselstaat allein für Palmöl jährlich um die 150.000 Hektar Regenwald gerodet. Mit ihm wird zugleich der wertvolle Lebensraum vieler Pflanzen- und Tierarten vernichtet. So berichtet Greenpeace von Schätzungen, daß in den letzten Jahren der Bestand der Sumatra-Tiger in Indonesien auf rund 400 Tiere, der des Borneo-Zwerg-elefanten auf 1.500 und der des Sumatra-Orang-Utans auf 7.300 gesunken ist.

Auch die Gesundheit und das Leben der Einheimischen werden durch die Schaffung neuer Großplantagen gefährdet. Es sind die schlimmsten Waldbrände seit 16 Jahren. Der beißende Rauch der Brände durch Brandrodung, der selbst den Nachbarstaat Singapur erreicht, führt zu Atemwegserkrankungen. Die Probleme werden durch die Tatsache weiter verschärft, daß die großen Monokulturplantagen im Regenwald zunehmend auf Torfmoorböden errichtet werden. Diese riesigen Kohlenstoffspeicher setzen bei der Trockenlegung große Mengen CO2 frei. Auch vor Landraub machen viele Palmöl-Konzerne nicht Halt – besonders in Verruf dafür steht der weltgrößte Palmöl-Händler Wilmar. 

Gesundheit

Nicht nur wegen der schweren Schäden, die der Anbau am Produktionsort verursacht, steht Palmöl in der Kritik. Das Bundesministerium für Risikobewertung warnte schon 2009 erstmals vor den in raffinierten pflanzlichen Fetten enthaltenen 3-MCPD- und Glycidol-Fettsäureestern, die in besonders hoher Konzentration in Palmöl vorkommen: »Bei der Verdauung kann Glycidol aus den Glycidol-Fettsäureestern abgespalten werden. Glycidol ist von internationalen Gremien als krebsauslösende Substanz eingestuft worden.« Da Palmöl auch in Säuglingsnahrung wie zum Beispiel industriell gefertigter Babymilch enthalten ist, bestehe besonders für Säuglinge die Gefahr, gesundheitlich bedenkliche Mengen Glycidol aufzunehmen.

Auch der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren (fast 50%) in Palm- und besonders in Palmkernöl wird von Experten kritisch gesehen, da diese zu einer Verschlechterung der Blutfettwerte führen könnten. "Es kann die Insulinwirkung im Körper verschlechtert werden bis hin zur Steigerung des Diabetesrisikos. Eine Schädigung der Gefäßwand und sogenannter oxidativer Streß können dazu führen, daß die Gefäßverkalkung begünstigt wird und die ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall bis hin zum Tod", warnt Prof. Michael Roden vom Deutschen Diabeteszentrum Düsseldorf. Palmöl gilt als das Fett, das uns am schnellsten dick macht!

Kennzeichnung und Nachhaltigkeitslabel

Aufgrund der anhaltenden Kritik an der Herstellung von Palmöl wurde 2004 auf Initiative des WWF der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) gegründet, der seit 2008 ein Zertifikat für nachhaltig produziertes Palmöl vergibt. Neben einigen Umweltschutzverbänden und NGOs setzt sich die Organisation in erster Linie aus Unternehmen und Institutionen zusammen, die an der Palmöl-Lieferkette beteiligt sind. Den Vorsitz führt Jan Kees Vis vom Unilever-Konzern, dem größten Verarbeiter und Vertreiber von Palmöl weltweit. Der RSPO schließt in seinen 43 Kriterien Regenwaldrodung nicht aus und berücksichtigt auch keine Klimaschutz-faktoren. Zudem sind die Trockenlegung von Torfmooren und der Einsatz von Pestiziden erlaubt.

Das Aktionsbündnis Regenwald statt Palmöl kritisiert ebenso wie Rettet den Regenwald, daß die Einhaltung der Kriterien nicht genügend kontrolliert und Verstöße kaum geahndet würden. Es klingt paradox – doch zuzuschreiben ist diese Entwicklung auch der europäischen Klimaschutzpolitik. Studien zeigen: Agrarsprit ist klimaschädlicher als Treibstoff aus Erdöl.

Was Verbraucher tun können

Da sowohl die Herstellung als auch der Konsum von Palmöl äußerst bedenklich sind, empfiehlt es sich, als Verbraucher entsprechende Produkte zu meiden.

Greenpeace warnt allerdings auch davor, Palmöl grundsätzlich durch andere Pflanzenöle, zum Beispiel aus Soja, Raps oder Sonnenblumen, zu ersetzen. Der Grund ist, daß für den Anbau anderer Ölpflanzen deutliche größere Flächen benötigt werden, um die gleiche Menge Öl zu erhalten. Die Seite www.umweltblick.de bietet einen umfassenden Einkaufsführer für palmölfreie Produkte, der regelmäßig aktualisiert wird. Wer direkt im Supermarkt einzelne Artikel genauer unter die Lupe nehmen will, kann sich mit der kostenfreien App codecheck schnell und einfach kritische Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Palmöl in einem Produkt anzeigen lassen. Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät Verbraucher dazu, grundsätzlich auf Fertigprodukte zu verzichten und auch der Gesundheit zuliebe mit frischen Zutaten selbst zu kochen.

pdf zum Ausdrucken: Sonderinformation über Palmöl